Patienten entwickeln mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt. Das erleichtert die Behandlung und macht es einfacher, heikle Gesundheitsthemen anzusprechen. Britische Mediziner sprechen Patienten, die ihrem Hausarzt treu sind, aus diesen Gründen ein längeres Leben zu.

Britische Forscher werten Studien aus

Patienten, die regelmäßig zum selben Arzt gehen, haben ein längeres Leben. Zu diesem Schluss ist ein Team britischer Forscher gekommen, das insgesamt 22 medizinische Studien ausgewertet hat. Die Studien wurden ab 2010 in neun Ländern durchgeführt, unter anderem die USA, England, Südkorea und Isreal, und entsprechen den vorher festgelegten Standards der Forschergruppe.
Um als Studie für die neue Forschungsarbeit zu dienen, mussten darin unter anderem Krankenakten von Patienten und langjährige Dokumentationen der behandelnden Ärzte enthalten sein. Zudem wurden Studien zu verschiedenen Ärzten, Chirurgen und Psychiatern gleichermaßen berücksichtigt. Nicht miteinbezogen wurden dagegen Einflüsse wie Alter und Sexualität sowie Angewohnheiten wie Rauchen oder regelmäßiges Trinken. Auch weil die Forschergruppe die geprüften Personen selbst nicht befragt hat, bleiben Zweifel an der Studie. Beispielsweise besteht für gesunde Menschen kein Grund, den Arzt zu wechseln, während chronisch Kranke oft von Praxis zu Praxis pendeln, ohne dass sich dadurch das Sterberisiko vergrößern muss. Der Kausalzusammenhang lässt sich alleine anhand der Krankenakten nicht erschließen.
Die Ergebnisse sprechen für einen Zusammenhang zwischen dem Patient-Arzt-Verhältnis und der Sterblichkeitswahrscheinlichkeit des Patienten.

Doppeltes Sterberisiko bei Arztwechsel

Das Ergebnis der Auswertungen hat ergeben, dass ein langjähriges Patient-Arzt-Verhältnis zu einer besseren Kommunikation führt. Die gegenseitige Vertrauensbasis trägt zudem zu einer gesteigerten Therapietreue beim Patienten bei. Eine der Studien sagt passend dazu aus: Herzkranke Patienten, die bis zu ein Jahr vor einer wichtigen Operation ihren Arzt wechselten, hatten ein doppelt so hohes Sterberisiko wie die Patienten, die ihrem bisherigen Arzt treu blieben.
Wer seinen Arzt gut kennt, hört auf dessen Vorschläge und umgekehrt kann der Mediziner die Symptome von Stammpatienten besser einschätzen. Das Forscherteam nennt menschlichen Kontakt „potenziell lebensrettend“ und spricht ihm Zeiten der technologischen Entwicklungen besondere Priorität zu.
„Dieses Phänomen betrifft sowohl Allgemeinärzte als auch spezialisierte Mediziner“, so Pereira Gray von der Forschergruppe. „Wir haben Berichte gefunden, die diese Ergebnisse auf Chirurgen und Psychiater ausweiten. Deshalb denken wir, dass es ein menschliches Phänomen ist, das sich durch die gesamte Medizin zieht.“

Eigenen Arzt beibehalten lohnt sich

Es kann sich also lohnen, den eigenen Arzt beizubehalten. Die Studien der britischen Forschergruppe sind zwar nicht wasserdicht, deuten jedoch einige Probleme an, die der Wechsel des Arztes mit sich bringen kann. Wer den Mediziner nicht gut kennt, wird sich bei gesundheitlichen Problemen nicht so schnell öffnen und verliert dadurch Umständen lebenswichtige Zeit. Zudem kann der Hausarzt die Symptome und Beschwerden des Patienten oft intuitiv einschätzen und eine individuell passende Therapie vorschlagen. Es empfiehlt sich deshalb, dem Hausarzt so lange wie möglich die Treue zu schwören. Wer aus gesundheitlichen Gründen den Arzt wechseln muss, ist mit einem Mediziner gut beraten, der Erfahrung mit der eigenen Zielgruppe hat und sich bereit zeigt, auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten einzugehen.

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